„Antisemitismus ist ein geschlossenes Weltbild“

05.07.2011                      03.Tammus, 5771

Vorurteilsforschung:

"Antisemitismus ist ein geschlossenes Weltbild"

Stefanie Schüler-Springorum leitet das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Die Historikerin will die emotionale Wucht von Ressentiments ergründen.

Wo fängt Antisemitismus an, wo hört "legitime Israelkritik" auf? Stefanie Schüler-Springorum muss nicht lange nachdenken: "Schon das Reizwort Israelkritik erfasst den komplexen Sachverhalt in keiner Weise", sagt die Historikerin. Die neue Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin, die im Juni vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg nach Berlin wechselte, will es genau nehmen mit Begriffen und Fragestellungen. Pauschale Israelschelte – als könne man ein ganzes Land "kritisieren" – und die Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen sollte man nicht in einen Topf werfen. Die Fixierung auf die israelische Politik in den besetzten Gebieten reize "Menschen, die endlich einmal etwas gegen Juden sagen wollen, ohne gleich als Antisemiten zu erscheinen". Nur Rechtsradikale bekennen sich heute offen zum Antisemitismus, sagt Schüler-Springorum. Die gängigen antisemitischen Reaktionen versteckten sich hinter einem "Ja, aber" oder "Man wird doch wohl noch sagen dürfen …"….