„Demokratie muss belohnt werden“

01.10.2011                      04.Cheschwan. 5772

Arabischer Frühling:

"Demokratie muss belohnt werden"

Die EU und die USA sollen wirtschaftliche Interessen zurückstellen, um ihrer Forderung nach Demokratie in der arabischen Welt mehr Nachdruck zu verleihen. Das sagte der Politikwissenschaftler Daniel Goldhagen in einem Interview mit der "Welt am Sonntag". Zugleich prangerte er eklatante Missstände in islamischen Gesellschaften an. 

Goldhagen forderte den Westen insbesondere mit Blick nach Tunesien dazu auf, "Anreize in Aussicht zu stellen – positive wie negative -, damit die Regierungen demokratischer und liberaler werden". Die kollektive Macht der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union sei enorm. "Wenn sie Demokratie als zentrale Forderung erheben würden und im Zweifel wirtschaftliche Interessen zurückstellten, könnten wir viel erreichen."
Die Eliten des Nahen Ostens sollten eines wissen: "Wenn ihr unsere Unterstützung wollt, dann müsst ihr Demokraten sein." Demokratie müsse belohnt werden, auch in der Türkei, wo im Vergleich zum Iran geradezu "großartige Verhältnisse" herrschten. Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan sei jedoch mit Vorsicht zu unterstützen – weil er im Bezug auf die Muslime in Europa Ansichten vertrete, die mit den Interessen des Westens nicht übereinstimmten….