„Die Wurzeln unserer Beziehungen sind stark“

26.11.2011                      29.Cheschwan. 5772                      Toldot

Interview:

"Die Wurzeln unserer Beziehungen sind stark"

Israels Botschafter Ben-Zeev über das deutsch-israelische Verhältnis, ein NPD-Verbot und Antisemitismus.

Die Welt: Herr Botschafter, Sie sind seit vier Jahren in Deutschland. Was waren die hellsten Momente in diesen Jahren und was die größten Enttäuschungen?

Da erinnere ich mich vor allem an Momente, die mich bewegt haben. Zum Beispiel die Rede von Präsident Schimon Peres im Bundestag Anfang 2010. Als er den Kaddisch, das Totengebet, für seinen Großvater sprach und alle Mitglieder des Bundestages aufstanden. Das hat mir einerseits das Herz gebrochen, weil er von den letzten Tagen erzählte, als sein Großvater ihn zum Bahnhof brachte. Er fuhr damals nach Israel, um gerettet zu werden. Und sein Großvater wurde nach Auschwitz geschickt. Peres weinte. Direkt nach der Rede ging er mit Präsident Horst Köhler zum Gleis 17, um Kerzen anzuzünden für die Deportierten und Ermordeten. Man fühlt sich, als ob man auf einer Zeitwolke schweben würde. Sechs Überlebende standen damals zusammen mit Peres und Köhler, um die Kerzen anzuzünden. Und dann kamen junge Israelis und junge Deutsche dazu. Es war furchtbar kalt. Gebete wurden gesprochen. Man erinnerte sich an die furchtbare Zeit, für Juden und auch für viele Deutsche. Und dann kommen die Jungen dazu und reden über ihre gemeinsame Zukunft….