„Ich möchte lachen und Lasten heben“

06.05.2011                      02.Ijar, 5771                      Tag 17 des Omer

Kultur:

"Ich möchte lachen und Lasten heben"

Das jüdische Mädchen Selma Meerbaum-Eisinger hinterließ berührende Gedichte. Iris Berben wahrt die Erinnerung an sie. Mit 18 Jahren starb die Jüdin 1942 im Lager der Nazis. Ihre Lyrik wurde erst spät in Deutschland bekannt. Iris Berben las die Werke jetzt in der Geburtsstadt Czernowitz, heute Ukraine.

Es duftet aus ihren Gedichten. Nach Heu, das, als der Regen kommt, so gut riecht wie nichts auf der Welt. Es leuchtet aus ihren Zeilen, weil die erste Frühlingssonne auf den nassen Asphalt fällt. Es klingt wie Musik, wenn sie beschreibt, wie der aufgetaute Schnee von den Dächern tropft. Selma Meerbaum-Eisinger brauchte nicht viel, um zu spüren, dass sie lebt. Das Gelb der Astern. Das Licht der Winternacht, in der sie mit dem Geliebten durch den Schnee schritt. Sie war so feinsinnig, wie es ein verliebtes Mädchen nur sein kann. Sie wurde nur 18 Jahre alt.
Selma Meerbaum-Eisinger hat in den wenigen Jahren vor ihrem Tod in einem deutschen Arbeitslager so berührende Gedichte geschrieben, dass die Lyrikerin Hilde Domin sie mit dem jungen Hugo von Hofmannsthal verglich. Geschrieben wurden sie zwischen 1939 und 1942, mit der Hand in ein mit Blumen verziertes Album. Damals, in Czernowitz, als die Stadt in der Bukowina noch eine multikulturelle Metropole war, in der Deutsch gesprochen wurde und deren Bevölkerung zu mehr als einem Drittel jüdisch war. So wie Selma Meerbaum-Eisinger….