Rumänien: Die sprechenden Steine von Siret

29.03.2011                      23.Adar ll, 5771

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Rumänien: Die sprechenden Steine von Siret

Siret besitzt zwei historische Monumente: eine alte, orthodoxe Kirche aus dem 11. Jahrhundert, als Siret die Hauptstadt der Bukowina war, eine Kirche der moldavischen Fürsten sowie den alten jüdischen Friedhof, einer der drei jüdischen Friedhöfe der Stadt Siret. Ich sehe vor meinen Augen den Hügel mit dem Ausblick zum Fluß Sereth, auf welchem dieser Friedhof liegt, ein “heiliger Ort”, wie es unsere Urahnen nannten…

Die hundertjährigen alten Steine waren in der Erde versunken, eingegraben, wilde Pflanzen bedeckten sie. Künstlerisch waren die Grabsteine von einer besonderen Ästhetik. Es war interessant festzustellen, wie die Überlebenden von jener Zeit ihre teuren Verwandten beweinten. Die Erinnerung an diesen Friedhof lebt weiter in der Tiefe meines Herzens. Als junges Kind kam ich vom Cheider (Kinderschule) am Abend nach Hause. Das Städtchen war in tiefe Dunkelheit eingehüllt. Unser Haus lag an der Straße, in der der Friedhof liegt. In der Stadt erzählte man über Teufel und Geister, welche aus den Gräbern nach Mitternacht herauskamen. Daher hatte mir meine Mutter eine kleine Bauernlaterne besorgt. Vom Wind geschützt, brannte darin eine Kerze. Die Flamme durchbrach die Finsternis. Das konnte meine Furcht ein bißchen beruhigen. In den achtziger Jahren hatte der damalige Diktator Rumäniens Nicolae Ceausescu versucht den Friedhof zu eliminieren. Er plante eine Autobahn. Der Hügel des Friedhofes war für den Plan jedoch ein Hindernis. Daher beschloß er den Friedhof einzureißen….