Sex im Museum

26.07.2012                      07.Aw. 5772

Kommentar:

Sex im Museum

Die Älteren unter uns, die sich noch an die Sechzigerjahre erinnern können, wissen, wofür "Jazz in der Kirche" steht: den Versuch, junge Menschen in Gottesdienste zu locken. Heute spricht man von "Zielgruppen-Marketing", einfachere Gemüter sagen auch gerne: "Man muss die Menschen dort abholen, wo sie sind."

Nun hat das israelische Nationalmuseum in Jerusalem bekannt gegeben, es werde sich anlässlich einer Ausstellung über das Leben der streng orthodoxen "Chassidim" auch dem orthodoxen Publikum öffnen, das heißt, separate Besuchszeiten für Männer und Frauen anbieten. Nur bei Bedarf, z.B. am Dienstagmorgen, wenn das Museum normalerweise geschlossen ist. Der Marketingchef des Museums sagte einer israelischen Zeitung, dies sei eine Chance, "die Hand auszustrecken und zu sagen: Bitte kommt". Eine schöne Geste, sollte man meinen. Ein Zeichen des Entgegenkommens der Mehrheitsgesellschaft gegenüber einer Minderheit. Wenn dem nur so wäre. Tatsächlich liegt ein mehrfaches Missverständnis vor. Die Verantwortlichen im Israel-Museum sind offenbar der Meinung, die Orthodoxen würden in Scharen in das Museum strömen, wenn es dort nur wie in einer orthodoxen Synagoge zuginge, wo Männer und Frauen getrennt beten. Und dass sie sich für nichts anderes so brennend interessieren wie das Leben der orthodoxen Juden, also ihr eigenes….