Snowden, die RAF und die taz

01.02.2014                      01.Adar I.5774                      Rosch Chodesch 2

Kommentar:

Snowden, die RAF und die taz

Wenn es etwas gibt, das noch verlogener und widerlicher ist, als es der deutsche Militarismus je war, dem es um Macht, einen "Platz an der Sonne" und Rohstoffe ging, dann ist es der deutsche Pazifismus, dessen Essenz man in einem Satz zusammenfassen kann: Was kümmern mich die Toten in Syrien, solange der Juchtenkäfer in Stuttgart gerettet werden muss.

Ganz anders die Militanz der Militanten, wie sie sich zuletzt bei den Krawallen um die Hamburger "Rote Flora" gezeigt hat. Was da an Gewaltbereitschaft und Zerstörungswut zutage kam, hätte ausgereicht, um Monte Cassino wieder zu erobern. Dabei hatte die Linke, sagen wir es freundlich, immer ein ambivalentes Verhältnis zur Gewalt. Gewalt gegen Sachen war o.k., Gewalt gegen Menschen war es nicht. Wenn aber bei der Gewalt gegen Sachen auch Menschen zu Schaden kamen, dann war das zwar bedauerlich, aber unvermeidlich. Die Ikone der Gewaltfreiheit, der grüne Politiker Christian Ströbele, warb in den 80er-Jahren um Spenden, mit denen "Waffen für El Salvador" gekauft werden sollten, und ließ es sich nicht nehmen, das Geld persönlich den Guerilleros zu überbringen. Als Israel Anfang der 90er-Jahre mit irakischen Scud-Raketen beschossen wurde, wollte Ströbele nicht einmal Gasmasken nach Israel geliefert wissen….