Stell dir vor, es ist Ostern, und keiner weiß es

23.04.2011                      19.Nisan, 5771                      Chel Hamo'ed 3; Tag 4 des Omer

Gedankenspiel:

Stell dir vor, es ist Ostern, und keiner weiß es

Was wäre gewesen, wenn Pilatus Jesus begnadigt hätte? Wäre Rom Weltreich geblieben? Wäre das Mittelalter ausgefallen? Hätte der Sonnenglaube gesiegt? Eine historische Fantasie aus gegebenem Anlass.

Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben?", so Pilatus. Er besaß die Polizeigewalt in Judäa und hat in freiem Ermessen gehandelt. Nach römischem Recht sollten Propheten, die, "angeblich von Gott erfüllt", Unruhe stifteten, ausgepeitscht und ausgewiesen werden. Pilatus konnte es also bei der Geißelung bewenden lassen, er konnte Jesus aus Palästina verbannen, ihn zur Zwangsarbeit in einen Steinbruch Ägyptens schicken, er konnte ihn zum Verhör nach Rom beordern, so wie das mit anderen jüdischen Unruhestiftern geschehen ist – oder ihn auch ganz einfach freisprechen.
Wäre die Kreuzigung unterblieben, so hätte das zunächst ebenso wenig sichtbare Folgen gehabt, wie die Kreuzigung solche hatte. Freilich wäre damit eine spätere Hinrichtung nicht ausgeschlossen worden. Es wäre denkbar, dass Jesus' Bewegung bei einer längeren Wirksamkeit eine solche Gewalt gewonnen hätte, dass die Juden ihn gesteinigt hätten, so wie sie es später mit Stephanus gemacht haben, oder dass Rom dann doch hätte eingreifen müssen. Die Verzögerung hätte den Konflikt zwischen Juden und Römern beschleunigen können. Unter den Jüngern hätten die Aktivisten Judas Iskarioth, Simon der Eiferer und die "Söhne des Donners", wie Jesus die Zebedäiden nannte, sich durchsetzen und einen Aufstand gegen Rom anzetteln können, so dass der jüdische Krieg, der 70 zur Zerstörung des Tempels führte, schon eine Generation vorher ausgebrochen wäre….