Todesurteil nach Selbstmordversuch

27.07.2011                      25.Tammus, 5771

Absurder Prozess:

Todesurteil nach Selbstmordversuch

Verfolgt, verzweifelt, verurteilt: Vor 70 Jahren verhängte ein Londoner Richter die Todesstrafe über die nach England geflohene Irene Coffee. In England galt die Jüdin als Schwerverbrecherin – sie hatte den gemeinsam mit ihrer Mutter geplanten Doppelselbstmord überlebt.

Die Geschworenen brauchten nur elf Minuten Zeit, um ihre Entscheidung zu fällen. Um 15.44 Uhr nahmen sie im Saal Nummer vier des Zentralen Strafgerichtshofes Old Bailey Platz zur Urteilsverkündung. Richter Travers Humphreys nahm ein schwarzes Stück Stoff zur Hand und legte es sich langsam auf die weiße Perücke aus Pferdehaar. Es war die sogenannte black cap. 
Dann wandte er sich an die braunhaarige Frau auf der Anklagebank und sagte: "Irene Louise Valeska Coffee, es ist meine Pflicht, Ihnen das einzige Urteil zu verkünden, welches das Gesetz für das Verbrechen kennt, für das Sie verurteilt wurden." Der Richter hätte sich seine Worte sparen können, der schwarze Stofffetzen sprach für sich. Seit Jahrhunderten in der britischen Rechtsprechung verwendet, stand er symbolisch für die Höchststrafe. Am 9. Dezember 1941 verurteilte das Londoner Strafgericht Irene Coffee, geborene Brann, zum Tod durch den Strick….