Trauer to go

10.10.2011                      13.Cheschwan. 5772

Gedenken in der Paulskirche:

Trauer to go

Zur Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938 hat der Frankfurter Magistrat zu einer Gedenkstunde in der Paulskirche eingeladen. Es sprach die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras zu den Gästen. Ihre Eltern sind Überlebende des Holocaust. Hier ihre Rede in voller Länge:

Ich möchte mich als erstes für die Einladung bedanken, hier sprechen zu dürfen. Es ist eine große Ehre wie eine ebenso große Verantwortung, denn der 9.11. ist ein Tag, und ich weiß, da sage ich niemandem hier etwas Neues, ein Tag in vielerlei Hinsicht von großer, allzugroßer, häufig furchtbarer Bedeutung.
In meiner Familie, wir sind Juden, nahm die Zeit um den 9.November herum, seitdem wir in Deutschland wohnten, zunehmend groteskere Formen an. Meine Eltern wurden ab Mitte Oktober blasser und blässer, sie wurden von allen möglichen Zeitungen, Rundfunk und Fernsehanstalten gebeten, sich zum 9.November zu äußern. Sie taten es vorbildlich, mit großem Bewusstsein und nicht ohne einen gewissen Stolz: es verlieh ihnen Würde – sie fühlten sich gebraucht, ja wichtig in ihrer neuen Heimat….