Vierzehn Millionen Opfer waren nicht überraschend

22.09.2012                      06.Tischrei. 5773                      Wajelech; Schabbat Schuva

Interview:

Vierzehn Millionen Opfer waren nicht überraschend

Zwei Bücher, eine Debatte: Die Historiker Timothy Snyder und Ian Kershaw sprechen über den organisierten Massenmord und den Widerstand gegen die totalitären Regimes des 20. Jahrhunderts.

Herr Snyder, woran arbeiten Sie nach Ihrem Bestseller „Bloodlands?“

TIMOTHY SNYDER: Ich schreibe ein kurzes Buch über den Holocaust, weil ich während der Diskussionen der letzten beiden Jahre nach der Veröffentlichung von „Bloodlands“ immer wieder gefragt wurde, wie es zum Holocaust kommen konnte. „Bloodlands“ handelt ja von der größeren Katastrophe, von der der Holocaust nur ein Teil ist. Jetzt möchte ich Antworten auf die Fragen geben: Welche Rolle haben die Wirtschaft, die Kollaboration, der Antisemitismus gespielt? Dank der unglaublichen Leistungen deutscher Historiker haben wir eine sehr viel reichere Faktenlage als früher, und die möchte ich nun auswerten. Außerdem arbeite ich an großen Geschichte Osteuropas in den vergangenen tausend Jahren….