Warum ich … Cembalo spiele

14.01.2013                      03.Schwat. 5773

Selbstbeschreibung:

Warum ich … Cembalo spiele

Wenn mich jüngere Kollegen fragen, wie man Nahost-Korrespondent wird, löst meine Antwort immer eine gewisse Verwunderung aus: "Studiere Musik!", sage ich ihnen. So habe ich das nämlich gemacht, und es hat ganz gut funktioniert. Mein Job ist ein Traumjob – langweilig wird es im Heiligen Land nie. Nach einem langen Tag im Wirrwarr der nahöstlichen Verstrickungen droht sich aber bisweilen eine resignierte Erschöpfung breitzumachen. Dann setze ich mich an das französische Cembalo in unserem Wohnzimmer, um die Seele zu regenerieren und die Finger in Form zu halten. Die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts hat es mir angetan. Hier verbinden sich meine beiden Leidenschaften, Sprache und Klang: Barockmusik ist Klangrede, sie bewegt das Herz eigentlich erst, wenn man sie als Sprache denkt. Was zunächst wie eine formalistische Ansammlung rhetorischer Figuren wirkt, ist in Wahrheit das Fundament für einen Ausdrucksreichtum, der es problemlos mit einer Mahler-Symphonie aufnehmen kann….