Wenn Juden Juden hassen

29.06.2012                      09.Tammus. 5772

Kommentar von Hendrik M. Broder:

Wenn Juden Juden hassen

Ultraorthodoxe haben Yad Vashem geschändet, Beobachter sind fassungslos. Warum eigentlich? Henryk M. Broder über die lange Tradition des jüdischen Antisemitismus.

Es war der Philosoph Theodor Lessing, der vor über achtzig Jahren einem bis dahin undefinierten Phänomen einen Namen gab. 1930 schrieb er ein kleines Buch unter dem Titel "Jüdischer Selbsthass". Es handelte von Juden, die an sich selber litten und ihrem Judentum zu entkommen versuchten, durch Selbstmord, den Übertritt zum Christentum, Flucht in den Wahnsinn – oder indem sie fanatische Judenhasser wurden. Otto Weininger, ein frühreifes Genie und Verfasser des Monumentalwerks "Geschlecht und Charakter", erschoss sich mit 23 Jahren im Sterbezimmer Ludwig van Beethovens in der Wiener Schwarzspaniergasse. Maximilian Harden, Gründer der Zeitschrift "Die Zukunft", einer der einflussreichsten und meistgehassten Journalisten des Kaiserreichs, trat 1878 zum Protestantismus über und wandte sich sogleich an die Juden mit der Frage: "Was wollt Ihr denn eigentlich, sagt doch klar, wessen Geschäfte besorgt Ihr, die Geschäfte Deutschlands oder die Geschäfte Zions?"….