Wie schön sind deine Zelte, Jakob

09.08.2011                      09.Aw-Elul, 5771                      Tischa BeAw

Zeltrevolution:

Wie schön sind deine Zelte, Jakob

Am Anfang war Daphna Lif. Als sich die 26-jährige Filmstudentin an jenem geschichtsträchtigen Datum – dem 14. Juli, Jahrestag der Stürmung der Bastaille – entschloss, mit ihrem Zelt auf dem Rothschild-Boulevard in Tel-Aviv niederzulassen, da war das nicht mehr als ein Kurios. Die meisten Tel-Aviver interessierten sich an dem Tag eher für die kostenlose Freilicht-Oper im Park ha-Yarkon, und weder die Medien noch die Politiker schenkten dieser Aktion viel Aufmerksamkeit. Der Grund für die Zelt-Aktion waren die hohen Mietpreise Israels (und Tel-Avivs im Besonderen), derentwegen Daphna aus ihrer Wohnung herausgeschmissen wurde. Sie berichtete über ihre Aktion bei Facebook und schon am selben Abend gesellten sich einige „Camper“ zu ihr.

Die Anzahl der Zelte auf dem Rothschild-Boulevard vermehrte sich in den nächsten Tagen, und wurde zum Zeichen der frustrierten Mittelklasse Israels, die trotz gutbezahlter Vollzeitarbeit kaum über die Runde kommen – hohe Mietpreise (oft die Hälfte des Gehalts), teure Lebensmittel, schwer erschwingbare Kindergärten, Benzin, die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Und während die Mittel- und Arbeitsklasse ums Überleben kämpft, bereichern sich in Israel die Tycoone ins Unendliche, was auch einer der Gründe für die Wahl des Rothschild-Boulevards war: „If I was a Rothschild…“ war einer der ersten Slogans….