Wo alles anfing

04.12.2011                      08.Kislev. 5772

Bethlehem

Wo alles anfing

Christliche Pilger kommen wieder in großer Zahl nach Bethlehem. Doch dort leben wollen immer weniger Christen, "seit Israel entlang der Stadtgrenze eine riesige Sperrmauer errichtet hat". Eine vorweihnachtliche Reise ins Heilige Land.

Die Stadt hat sich in froher Erwartung herausgeputzt. Am Platz vor der Geburtskirche steht ein mit Lichterketten behängter Christbaum. Auf zahlreichen Dächern und Hausfassaden prangt ein Kreuz oder ein Stern mit leuchtendem Kometenschweif. Doch das Heilige und das Profane wohnen in Bethlehem eng beieinander. In der Karkafe Street, etwa einen Kilometer vom quirligen Zentrum entfernt, hat Adel Handal seinen Laden. Genau genommen sind es zwei kleine Geschäfte, die durch eine stets geöffnete Zwischentür verbunden sind. Links verkauft er zur geistigen Erbauung Ikonen, Rosenkränze und Krippenfiguren aus Olivenholz. Rechts gibt es Hochprozentiges zur leiblichen Stärkung. Die seit einigen Jahren immer zahlreicher ins Heilige Land strömenden Osteuropäer – Adel nennt sie die "neuen Reichen" – decken sich bei ihm ordentlich ein. Womit, zeigt sich später im "Hotel Bethlehem", einem Betonklotz auf der anderen Straßenseite. Über der Rezeption informiert ein auf Polnisch geschriebener Zettel, dass während der Happy Hour zwischen 20.30 und 21.30 Uhr jeder Drink nur zwei Dollar kostet. Die offensichtlich mehrheitlich polnischen Hotelgäste kennen jedoch einen noch günstigeren Weg zur alkoholbefeuerten Fröhlichkeit. Aus einem Saal im zweiten Stock erschallen bis spät nach Mitternacht im weichen slawischen Singsang fromme und weniger fromme Lieder – zurück bleiben die geleerten, bei Adel Handal besorgten Raki- und Wodkaflaschen….