Zwischen Washington und Berlin

09.10.2011                      12.Cheschwan. 5772

Zwischenruf:

Zwischen Washington und Berlin

In den vergangenen Tagen kreuzten sich zwei Berichte, die ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis der Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland zum Nahen Osten werfen. So hielt Andrew J. Shapiro, Unterstaatssekretär im State Department und dort verantwortlich für die politisch-militärischen Beziehungen seines Landes, am 04. November einen Vortrag vor dem hochkonservativen „Washington Institute for Near East Policy“ , während Majid Sattar – 2009 Verfasser einer politischen Biographie Guido Westerwelles – drei Tage später in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über die wachsende und mittlerweile offen zu Tage tretende tiefe Frustration im Auswärtigen Amt über den Bedeutungsverlust der deutschen Diplomatie in der Amtszeit Westerwelles berichtete .
Man könnte versucht sein, die Texte schnell beiseitezulegen, weil ihr Neuigkeitswert durchaus beschränkt ist. So hat Shapiro einmal mehr hervorgehoben, dass die USA wie nie zuvor daran interessiert seien, Israels militärische Überlegenheit durch hohe Finanzzuweisungen und technische Hilfen zu garantieren, weil es „ein Eckstein unserer regionalen Sicherheitsverpflichtungen“ sei. Über diesen Ansatz wollte Shapiro auch Jordanien und Ägypten nicht vergessen, weil sie – der König und der Oberste Militärrat – den Frieden in der Region unterstützen würden. Sattar seinerseits hat manche Vermutungen bestätigt: Er zitiert namentlich nicht genannte deutsche Diplomaten, dass Westerwelle die Europapolitik an Angela Merkel abgegeben habe und auch auf der „Spielwiese“ des Nahen Ostens „nicht zur Verfügung“ stehe….